Home

Kapitalismus im Endstadium

Posted on: November 9th, 2014 by Melchior-Christoph von Brincken No Comments

Kapitalismus im Endstadium

Die Weltwirtschaftskrise, eben noch als  „reine Finanzmarktkrise“ verniedlicht, greift um sich. Zuerst traf es die USA, in denen die marode Autoindustrie ihre „Gas-Guzzler“ d.h. Spritsäufer – in Form der allgegenwärtigen SUV´s und Hummer nicht mehr loswurde.

Mit der Automobilkrise kam die Finanzmarktkrise – der empfindlich ausbalancierten US-Wirtschaft, die ihre Wachstumsraten nur noch auf Pump erreichte, brach ein Standbein weg.

Wer hat schuld an dem Disaster? Die geldgierigen Finanzjongleure? Die US-Automagnate deren Spritmonster „den Weg des Dodo gehen“, jenes flugunfähigen Vogels, der ausstarb?

Also, was ist eigentlich los?

Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem, das einige Eigenarten aufweist. Karl Marx, Doktor der Philosophie und begeisterter Hobbyökonom, stieß so etwa um 1850 auf ein Phänomen, dass er den „tendenziellen Fall der Profitrate“ nannte. d.h. in etwa dass in der kapitalistischen Marktwirtschaft Unternehmen immer mehr Kapital in Produktionsmittel investieren müssen, und gleichzeitig ihre Profite relativ zur Investition mit der Zeit immer kleiner werden.


Also, während Unternehmer wie Daimler und Benz 1886 noch mit relativ wenig Kapital-Aufwand und viel Arbeit jeder sein eigenes „Automobil“ zusammen schraubte –  und damit sehr hohe Profite – in der Relation zum investierten Kapital – machte, gibt es heute Maschinenstraßen, bei denen jeder Arbeitsplatz mehrere Millionen kostet; ein Werk geht in die Milliarden.

Die Profite vor 150 Jahren dürften noch bei 30- 100 % oder mehr gelegen haben. Bis vor kurzem machte die deutsche Autoindustrie jedoch nur noch knapp über 5% Profit (Ausnahme Porsche).

Profit = ca. V/2

konstantes_ProfitLohn

Diese Profitrate sank das erste Mal in den 80ern unter 5% und damit lohnten sich Investitionen nicht mehr. Dies bekam vor allem die veraltete britische Ökonomie zu spüren und Maggie Thatcher „löste“ das Problem, in dem sie die Gewerkschaften entmachtete und die Löhne massiv senkte. (Thatcherism)

konstantes_Boom_Krise

Beispiel:

Ein Liverpooler Dockarbeiter ging vorher fest beschäftigt acht Stunden arbeiten, nun hing er vierzehn Stunden am Dock herum, um jeweils für ein- oder zwei Stunden für eine Entladung kurz angeheuert zu werden.  Dabei verdient er bei viel mehr Aufwand nur noch einen Bruchteil.

Die US-Amerikaner unter Ronald Reagan machten das nach – das nannte sich dann „Reagonomics“.

Die Arbeiter in den USA verdienten immer weniger und konnten sich – eigentlich – vieles nicht mehr leisten.

Der amerikanische „Ausweg“ aus der Krise: Das US-amerikanische Bankengeschäft hängt aber eng mit der Öl- und damit mit der Autoindustrie zusammen. Der Ölmagnat John D. Rockefeller alias aka „die Würgeschlange“ beherrschte um 1900 mit seiner „Standard Oil“ nicht nur mehr als 98% des US-Ölgeschäfts, er kaufte auch sich und seinen Sohn in die Bank Chase Manhatten ein. (heute J.P. Morgan Chase mit 2 Billiarden $ die reichste Bank der USA).

Schon der Sozialaktivist Vladimir Illitisch Uljanov schrieb in seinem Artikel „Imperialismus, das höchste Stadium des Kapitalismus“ darüber, dass Konzerne direkt über von ihnen gesponsorte Politiker für ihre Interessen Kriege führen. Als Beispiel diente Herrn Uljanov Rockefellers Standard Oil.

Die Banken liehen nun den Arbeitern für wenig Zinsen Geld, damit diese konsumieren und Autos kaufen konnten. Als Sicherheit wurden die Häuser der Arbeiter beliehen. Um aber immer weiter Kredite geben zu können, wurden die Häuser überbewertet.

Beispiel:

Ein Haus ist 150.000 Dollar wert, die Immobilie wird aber mit 400.000 veranschlagt.

So kam es, das es ganz normal wurde, bis über beide Ohren verschuldet zu sein.

Als jedoch die FED – eine halb private Staatsbank, die die Dollars druckt und für Zinsen an den Staat verleiht – den Zinssatz erhöhte (es drohte eine Inflation), konnten viele Arbeiter ihre Raten mit Zinsen nicht mehr zahlen. Die beliehenen Häuser mußten verkauft werden.

Beim realen Verkauf der Immobilien wurde klar, dass die an der Börse gehandelten Immobilienpapiere wertlos waren, da nur ein Bruchteil gedeckt war. Diese Papiere waren aber wiederum als Sicherheit für andere Geschäfte bei Banken hinterlegt worden, die nun ihr Geld zurück wollten. Die Immobilien – Schuldenblase – platzte.

Einen Anteil mag daran haben, dass durch den zwischenzeitlich hohen Ölpreis die Amerikaner nur mehr japanische Autos kauften, damit wiederum die US-Wirtschaft Probleme bekam, weshalb mehr Dollars gedruckt werden mussten. Der Versuch, die Inflation durch Zinserhöhung zu stoppen endete sichtbar im Disaster – das unsichtbar schon mit der Überschuldung stattgefunden hatte.

Der „tendenzielle Fall der Profitrate“ trieb aber schon seit Jahren seltsame Blüten. Wenn die realen Profite – in Relation zum investierten Geld – unter 5% fallen, so lohnt es sich wie gesagt nicht mehr zu investieren.

Doch was tun mit dem Geld? Es soll doch angelegt werden und Profit bringen!

Als ein Ausweg erschien die Spekulation an der Börse. Es wird also nicht mehr in den „realworldvalue“ einer Aktie investiert, d.h. man kauft sich mit einer Aktie einen Teil eines Unternehmens, um dann durch Ausschüttungen einen Teil des Gewinnes zu erhalten, sondern man kauft Aktien in der Erwartung, das dies auch andere tun und damit der Kurswert steigt.  Also man erwartet Gewinne durch Kursspekulation.

Da mit dem Fallen der Profitrate immer mehr Geld in die Spekulation ging, wuchs hier eine Blase, die das erste Mal mit dem IT-Boom in den 90ern platzte.

Yahoo war mit seinen 180 Mitarbeitern plötzlich Milliarden wert – zu mindestens nach Aktienkurs – und damit mehr, als Volkswagen, BASF und Lufthansa zusammen.

Die Krise kam schon in den 80ern, sie wurde aber überspielt und auch der Boom in China  schaffte viele Arbeitsplätze und Nachfrage nach Maschinen.

Doch je mehr in China auch an Hochtechnologie selbst gemacht wird, umso weniger wird aus Europa und den USA nachgefragt.

China wird immer weniger zum lukrativen Absatzmarkt, der mit Sweat-shops und billigen Arbeitskräften gute Profite macht, der aber mit Spezialmaschinen aus den anderen Industrieländern vor allem auch Nachfrage bringt.

China ist heute zusammen mit Indien auf dem Weg, die Welt neu aufzuteilen.

Durch diese weltweite Konkurrenz sinken die Profite in den USA und Europa nun nicht nur tendenzieller, sondern auch absolut.

Was uns bevorsteht ist eine (Teil-) Deindustrialisierung Europas und der USA und einer Lohnspirale nach unten.

Die USA unter Bush haben um ihre Kriege finanzieren zu können Renten- und Krankenkassen geplündert.

Die Rentner sollten ihre Ersparnisse in Aktien anlegen, bei uns heißt das „Riester-Rente“.

Resümee:

Wir haben also im Grunde schon seit 1982 eine Art Dauerkrise, der wir immer größere Opfer bringen sollen, da Kapitalismus ja nun einmal nicht ohne Profite existieren kann.

Aber immer mehr Menschen werden kämpfen müssen, da Betriebe stillgelegt werden sollen oder ihre Lohntüte immer weiter schrumpft.

In diesen Kämpfen wird man lernen, daß der Staat nicht neutral ist und die Polizei und Faschisten Streiks für die Bosse angreifen.

Man lernt, daß das Erkämpfte einem früher oder später wieder weggenommen wird.

Man lernt aber auch, daß man zusammen stark ist, daß man Betriebe selbst verwalten kann und daß Basisdemokratie auf Basis von Arbeiterräten möglich und machbar ist, wenn man sich nicht vertreten lässt sondern selbst entscheidet.

Leave a Reply

[paypal_donation_button]